Jeder kann einen Handstand lernen. Das Wichtigste ist, dass du die richtigen Dinge übst.
Hinter dem Handstand verbirgt sich mehr, als auf den ersten Blick vermutet wird. Es kursieren viele falsche Informationen darüber, was beim Handstand wichtig ist. In diesem Artikel räumen wir mit den größten Mythen auf — und erklären, worum es wirklich geht.
Ich freue mich, dass du dich dazu entschieden hast, den nächsten Schritt zu gehen. Auf den folgenden Abschnitten werde ich dir erklären, worum es beim Handstand wirklich geht.
Ich möchte dir gleich zu Beginn etwas mit auf deinen Weg geben. Wie bei den meisten ehrgeizigen Zielen ist das Wichtigste, dass du regelmäßig übst. Es ist so wichtig, dass es darüber entscheidet, ob du den Handstand lernen wirst oder nicht.
Der Handstand ist eine hochspezifische Fähigkeit und braucht viele Wiederholungen, daher ist häufiges Üben Pflicht. Es ist gut, die Reise mit offenen Augen zu beginnen und sich bewusst zu machen, dass es Zeit brauchen wird, um die Fertigkeit zu entwickeln. Vermutlich wird es länger dauern, als du am Anfang erwartest.
Ganz allgemein kann es zwischen 1 und 24 Monaten dauern, bis du dich ausbalanciert hast. Dies hängt natürlich stark von deinem Ausgangspunkt und der Zeit, die du investierst, ab. Wohlgemerkt gilt das nur, wenn du auch die richtigen Dinge übst. Ohne den richtigen Prozess kann man Jahre üben, ohne Fortschritt zu machen.
Bereite dich darauf vor, am Anfang zwischen 10 und 45 Minuten mehrmals pro Woche zu investieren. Je häufiger du übst, desto besser werden die Ergebnisse sein. Am besten übst du täglich.
Hinter dem Handstand verbirgt sich mehr, als auf den ersten Blick vermutet wird, und es gibt viele falsche Informationen darüber, was beim Erlernen des Handstandes wichtig ist. Jeder kann einen Handstand lernen. Es ist auf jeden Fall nicht einfach, aber der Prozess wird dich auf vielen Ebenen bereichern. Das Üben macht Spaß und wir lernen viel darüber, was es heißt zu lernen. Der Handstand ist ein Türöffner in eine neue Welt. Eine Welt, in der du verstehst, dass du alles lernen kannst, wenn du dich darauf einlässt.
Worum es im Handstand nicht geht
Im Internet gibt es unendlich viele Meinungen darüber, wie der Handstand funktioniert. Lass mich dir zuerst sagen, worum es beim Handstand nicht geht, um Klarheit zu schaffen.
Keine starke Mitte
Viele Leute haben den Eindruck, dass man Bauchmuskeln aus Stahl braucht, um auf den Händen zu stehen. Lass mich dir aus meiner eigenen Erfahrung und der Erfahrung von vielen anderen Handstandlern, darunter einigen Weltklasse-Handbalancern, erzählen: Du kannst mit völlig entspannten Bauchmuskeln im Handstand stehen.
Wie soll ich dann auf meinen Händen stehen, fragst du? Um diesen Punkt zu verdeutlichen: Stehe jetzt auf und beobachte, wie du es anstellst, auf deinen Füßen zu stehen. Wenn du aufrecht und ruhig stehst, wie sehr brauchst du dann deinen Core? Im Idealfall spannst du deinen Core nicht an. Deine Bauchmuskeln sind entspannt und trotzdem stehst du gerade. Es mag dich überraschen, aber im Handstand kann es genau so sein.
In manchen Szenarien kann es hilfreich sein, die Bauchmuskeln anzuspannen, um deine Wirbelsäule auf eine bestimmte Weise zu positionieren oder weil du eine bestimmte ästhetische Position lernen möchtest. In all diesen Szenarien brauchst du jedoch keine starken Bauchmuskeln. Kraft wird benötigt, wenn es etwas gibt, gegen das die Kraft eingesetzt werden kann — zum Beispiel die Schwerkraft, eine Hebelwirkung oder ein externes Gewicht. Keine dieser Kräfte wirkt in nennenswerter Weise auf deine Bauchmuskeln, wenn du im Handstand balancierst.
Stattdessen benötigen wir eine gute Körperkontrolle. Wir müssen unseren Körper gut ansteuern können und im richtigen Moment an den richtigen Stellen bewegen oder fixieren. Die Kraft, die wir brauchen, liegt in den Schultern und in den Fingern.
Balance wird nicht gefunden
Es gibt keinen magischen Punkt, an dem das Gleichgewicht gefunden wird. Balance ist eine rein reaktive Eigenschaft. Es geht um die Fähigkeit, sein Körpergewicht über der Kontaktfläche am Boden zu positionieren.
Das bedeutet: Wir müssen irgendwie unseren Körper über unsere Hände bringen. Denn wenn der Körperschwerpunkt über den Händen positioniert ist, befinden wir uns in einer ausbalancierten Position. Allerdings ist es wichtig zu erwähnen, dass es definitiv einen Punkt gibt, den wir konstant versuchen herzustellen, an dem die Balance so effizient wie möglich abläuft.
Der Irrglaube, dass es einen Punkt gibt, an dem wir einfach nur ankommen müssen, um zu balancieren, stammt wahrscheinlich von der Illusion, die gute Handbalancer erzeugen. Ihre Handstände sehen mühelos und ruhig aus, es gibt keine sichtbare Bewegung. In Wirklichkeit sind sie nur sehr subtil in dem, was sie tun.
Erinnere dich an das Beispiel des Stehens auf deinen Füßen. Filme dich mal dabei, wie du für ein paar Minuten versuchst, stillzustehen. Du wirst im Schnelldurchlauf sehen, dass dein Körper die ganze Zeit vor und zurück schwankt. Unterbewusst passt unser Körper seine Position entsprechend der sich verändernden Variablen ständig an, um uns im Gleichgewicht zu halten.
Das bedeutet, dass sich unser Körperschwerpunkt bewegt und nicht an einem Ort im Raum bleibt. Es gibt also keinen magischen Punkt des Gleichgewichts, den es zu finden gilt.
Worum es wirklich geht
Alle folgenden Informationen müssen ins Unterbewusstsein gelangen, sie müssen zu automatisierten Mustern werden. In dem Moment, in dem du darüber nachdenken musst, dein Gleichgewicht zu retten, ist es zu spät und du bist aus dem Handstand herausgefallen.
Das Prinzip des Gleichgewichts muss geübt werden, die Bewegungen, die nötig sind, um auf den Händen zu stehen, müssen natürlich werden. Um dies zu erreichen, musst du oft scheitern. Einer der wichtigsten Aspekte einer erfolgreichen Praxis ist, viele Fehler zu machen, um dann aus ihnen zu lernen.
Eine Frage der Balance
Es kommt nicht darauf an, wie der Handstand aussieht, wenn wir über einen ausbalancierten Handstand sprechen. Der Handstand kann in den unterschiedlichsten Positionen gehalten werden.
Denke an eine Old-School-Waage: Du legst das, was du wiegen willst, auf die eine Seite und füllst die andere Seite mit Gewichten, um es auszugleichen. Im Handstand ist es dasselbe. Dein Körper muss so über deinen Händen stehen, dass er ausbalanciert wird. Wenn also die Hüfte mehr in Richtung Fingerspitzen wandert, muss etwas anderes — zum Beispiel die Beine — zur anderen Seite mit einer Gegenbewegung ausgleichen.
Es gibt eine Vielzahl von Handstandformen in den unterschiedlichsten Disziplinen, und viele davon folgen nicht denselben ästhetischen Idealen, dennoch sind sie ausbalanciert. Die Form spielt also für die Balance nur eine geringe Rolle. Jede Handstand-Linie wird auch ein bisschen anders aussehen. Das ist völlig in Ordnung, denn wir alle sind unterschiedlich gebaut und sollten deshalb nach unserer individuell besten Position suchen.
Im nächsten Teil geht es um ein Phänomen, das fast jeder kennt: den Bananen-Handstand. Weiter zu Teil 2 →
Du willst Handstand lernen mit professioneller Anleitung? In der School of Movement Hamburg lernst du nicht nur den Handstand, sondern auch die Prinzipien dahinter. Komm zum Beginner-Kurs oder besuche einen Handstand-Workshop.
